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Ich sammle Geschichten, schreibe einige selbst und erzähle sie gern. Ich lade dich ein, hier auf dieser Seite zu stöbern. In meinen Impulsbriefen werden neue dazu kommen.
Viel Spaß beim Lesen.

Selbstgeschriebene Kurzgeschichten (Auswahl)

Weil es Liebe war
Der Schlüssel dreht sich quietschend in dem alten Kastenschloss herum und mit einem kräftigen Ruck öffnet Hanna die schwere Hüttentür.

Ihr Blick streift über den rohen Dielenboden zum Holzofen und dann hinüber zur gemütlichen Sitzecke mit dem danebenstehenden Küchenschrank.
Schön ist es hier.

Endlich ist sie angekommen in ihrer kleinen Almhütte, knapp 1000m hoch und mit einem traumhaften Blick auf die Bergwelt des Wilden Kaisers. Weit und breit keine Menschenseele. Eine Woche Ruhe genießen, wandern, lesen, Seele baumeln lassen. Kein Strom, also auch kein Fernseher, kein Handy. Einziger Luxus ist die Toilette und die Dusche mit dem Holzbadeofen.

Schon lange freut sich Hanna auf diese eine Woche in den Bergen.

Schnell verstaut sie ihre paar Sachen aus dem alten, grünen Rucksack in dem buntbemalten Bauernschrank. Dann läuft sie hinaus auf die kleine hölzerne Terrasse und lässt sich vergnügt auf die alte Holzbank fallen. Sie genießt den traumhaften Ausblick und ganz allmählich fallen ihr die Augen zu…

Irgendetwas kitzelt sie an ihrem Bein und als sie ihre Augen wieder öffnet, steht ein zotteliger weißgrauer Hund vor ihr und freut sich wie wild. Bevor Hanna so richtig weiß, was los ist, hört sie eine Männerstimme lautstark rufen:“Wuschel! Wuschel wo steckst du? Komm sofort hierher!“. Hanna springt auf und läuft, leicht verärgert, zum Hütteneingang, wo ein Mann mit Rucksack und Hundeleine sich an der Eingangstür zu schaffen macht.

„ Ja, hallo, was machen sie den da?“, ruft Hanna etwas erregt und ihre grünen Augen funkeln den Mann angriffslustig an.

„Ich möchte mein Gepäck abstellen und dann endlich was essen“, erwidert seelenruhig der Mann mit dem verschwitzten blauen T-Shirt.

„Ich hoffe, Wuschel hat sie nicht allzu seht erschreckt. Er ist ein ganz lieber, eben ein Bobtail.“

Hanna steht mittlerweile direkt vor dem Mann und wiederholt ihre Frage: „Was machen sie hier? Das ist meine Hütte, ich wohne hier seit heute.“ Triumphierend hält sie den Schlüssel hoch, den sie vorhin mit raus genommen hatte. Ihr gegenüber stutzt, greift in seinen Rucksack und zieht ebenfalls einen Schlüssel heraus.

„Hier, hat mir vorhin der Bauer gegeben. Diese Hütte habe ich für eine Woche gemietet und auch bereits bezahlt!“

Die Beiden stehen sich jetzt wie zwei Kampfhähne gegenüber und jeder ist bereit, seine Hütte bis aufs Letzte zu verteidigen. Da kommt Wuschel um die Ecke gesaust, springt aufgeregt zwischen den beiden hin und her und setzt sein typisches Bobtailgesicht auf. Und das wirkt. Beide fangen herzlich zu lachen an.

„Also, ich möchte mich erstmal kurz vorstellen, ich bin der Hanns. Hanns Richter:“ Er streckt ihr mit einem Lächeln seine Hand entgegen und, nach einigem Zögern, nimmt Hanna diese auch an. „Naja, und ich heiße Hanna.“

Langsam entspannt und klärt sich die Situation.

Hanns seine Hütte liegt noch gut eine Stunde entfernt. Er hat die falsche Abzweigung genommen und war so bei der falschen Berghütte gelandet.

„So ein Mist aber auch“, brummt Hanns und krault verlegen dem Wuschel sein Fell. „Ist mir jetzt schon irgendwie peinlich, aber ich muss sie bitten, uns bis morgen Asyl zu gewähren. Zum Weiterlaufen ist es jetzt schon zu spät.“ Tatsächlich macht sich die Sonne gerade bereit, am Horizont zu verschwinden. Die Berge sind in einem roten Licht getaucht und bieten einen traumhaften Anblick.

„Klar kannst du, äh sie... Klar kannst du bleiben. Du kannst es dir auf der Liege in der Wohnküche gemütlich machen. Ist das o.k.?! Hanns schaut Hanna dankbar an und meint lächelnd: “Vielen Dank, dass du mich nicht vor die Tür setzt. Dafür zaubere ich uns jetzt ein tolles Abendessen.“


Hanna verschwindet in ihrer Schlafkammer und zieht sich ihren dicken selbstgestrickten Lieblingspullover an, denn es wird langsam kühl.

Als sie wieder die Küche betritt, hantiert Hanns geschickt mit der schweren Eisenpfanne und ein Duft von Rührei mit Speck durchzieht den Raum.

Hanna betrachtet diesen Mann am Herd und ein leichtes Lächeln macht sich auf ihrem Gesicht breit. Gerade als sie ihren Gedanken freien Lauf lassen will, ruft Hanns sie zu Tisch.

Das Essen ist lecker, genauso wie der Rotwein, den sie im Küchenschrank noch entdeckt haben.

Die Zeit verfliegt wie im Flug. Bei Kerzenschein erzählen sie sich Geschichten, lachen und als die Sonne so langsam wieder erwacht, schaut Hanns plötzlich die Hanna an und meint ernst:“Wollen wir?“

Hanna lächelt, nickt, nimmt die Becher mit dem Rotwein und meint: „Bring du die Decken mit, es ist bestimmt noch kalt draußen.“

Dann gehen Beide raus auf die kleine Holzterrasse und mummeln sich in ihre Decken ein.

Hanns reicht Hanna den Becher mit dem Rotwein, schaut sie mit einmal ganz zärtlich an und sagt leise:

„ Ich liebe dich mein Schatz. Alles Gute zum 25. Hochzeitstag.“ Hanna schaut aus ihren grünen Augen liebevoll ihren Mann an. „ Ich lieb dich auch. Genau noch so wie vor 26. Jahren, als wir uns auf dieser Hütte zufällig kennen gelernt haben. Man, Silberhochzeit! Wie hast du das bloß so lange mit mir ausgehalten?!“

„Weil es von Anfang an Liebe war…“

Sie küssen sich leidenschaftlich und Wuschel springt wie ein Wilder um sie herum, glücklich, das jetzt alles wieder beim Alten ist.


© Yvonne Scholz 1998
Weißt du noch?
Das Märchen von der Waldwiese
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Glücksmomente

Kurzgeschichten aus aller Welt

Eine Zengeschichte
Der Zenmeister geht mit seinem Schüler spazieren. Während dessen ist er ganz still. Auf einmal fragt er seinen Schüler mit lauter und strenger Stimme:
„Sag mal, verstehst Du, was Zen ist?“
Der Schüler, der sichtlich erschrocken und verunsichert war, antwortet zitternd:
„Nein, Meister, ehrlich gesagt, ich verstehe es nicht.“
Darauf antwortet der Meister:
„Ich auch nicht!“
Und sie laufen still weiter.”
Autor mir leider noch unbekannt. Hinweise erwünscht.
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